MyHammer und vergleichbare Portale ersetzen keine eigene Website, sie ergänzen sie bestenfalls. Der Grund liegt im Geschäftsmodell: Handwerksbetriebe zahlen dort eine Gebühr pro bestätigtem Kontakt, unabhängig davon, ob daraus ein Auftrag wird. Eine eigene Website kostet dagegen pro Anfrage nichts zusätzlich, sobald sie einmal online ist. Wer beide Wege richtig einordnet, spart sich teure Fehlentscheidungen.

Wie das Geschäftsmodell von MyHammer funktioniert

Für Auftraggeber ist die Nutzung von MyHammer kostenlos, sie stellen ein Projekt ein und erhalten Angebote von mehreren Betrieben gleichzeitig. Bezahlt wird auf der anderen Seite: Handwerksbetriebe zahlen eine Kontaktgebühr, sobald ein Auftraggeber den Kontakt zu ihnen bestätigt, je nach Auftragsgröße und Kategorie meist zwischen 8 und über 70 Euro. Diese Gebühr fällt bereits bei der Bestätigung an, nicht erst beim Zuschlag. Hinzu kommt für die meisten Pakete eine monatliche Mitgliedschaft, in aktuellen Übersichten mit Einstiegspreisen ab rund 60 Euro. Für Privatkunden ist das Portal 2022 in der Kritik gestanden, weil genau dieses Modell Betriebe auch dann zur Kasse bittet, wenn am Ende kein Auftrag zustande kommt.

Der Unterschied zu einer eigenen Website zeigt sich genau an diesem Punkt: Eine Anfrage über das Kontaktformular der eigenen Seite kostet den Betrieb nichts extra, egal wie viele Interessenten am Ende absagen. Die laufenden Kosten für Hosting und Pflege einer Website fallen unabhängig von der Zahl der Anfragen an, bei einem Portal steigen die Kosten dagegen mit jedem einzelnen Kontakt.

Andere Portale wie Check24 Handwerker oder Blauarbeit arbeiten nach einer ähnlichen Grundlogik, meist mit einer monatlichen Grundgebühr plus einer zusätzlichen Gebühr pro Anfrage. Die genauen Tarife unterscheiden sich je nach Anbieter und Region und werden von den Portalen selbst kaum offen kommuniziert, das Grundprinzip bleibt aber dasselbe: Der Betrieb zahlt für den Kontakt, nicht erst für den Auftrag.

Was passiert, wenn sich die Regeln des Portals ändern

Ein Punkt, der bei der Portal-Entscheidung häufig zu kurz kommt: Ranking, Gebührenmodell und Sichtbarkeit auf einem Vergleichsportal bestimmt allein der Betreiber. Ändert sich der Algorithmus, mit dem Angebote sortiert werden, oder wird die Gebührenstruktur wie 2022 bei MyHammer umgestellt, muss sich jeder gelistete Betrieb daran anpassen, ohne Mitspracherecht. Für Betriebe, die einen großen Teil ihrer Anfragen über ein einzelnes Portal beziehen, bedeutet das ein strukturelles Risiko: Die eigene Auftragslage hängt an Entscheidungen eines fremden Unternehmens.

Bei einer eigenen Website liegt dieses Risiko deutlich niedriger, auch wenn es nicht ganz verschwindet, denn auch Google ändert seine Suchalgorithmen regelmäßig. Der Unterschied liegt darin, dass Inhalte, Domain und Kundendaten der eigenen Seite beim Betrieb bleiben, unabhängig davon, wie sich ein einzelner Kanal entwickelt. Ein Betrieb, der zusätzlich über direkte Empfehlungen, das Google-Unternehmensprofil und Bestandskunden erreichbar ist, fängt Schwankungen in einem einzelnen Kanal leichter auf als einer, der fast ausschließlich von einem Portal abhängt.

Was ein bestätigter Kontakt wirklich kostet

Eine oft genannte Faustregel unter Handwerksbetrieben lautet: Von fünf bezahlten Kontakten führt im günstigen Fall einer tatsächlich zu einem Auftrag. Die übrigen vier Gebühren sind dann reine Streuverluste, unabhängig davon, wie freundlich oder professionell das eigene Angebot ausgefallen ist. Bei einer Kontaktgebühr von beispielsweise 30 Euro bedeutet das rechnerisch 150 Euro Vorkosten für einen einzigen Auftrag, bevor überhaupt ein Werkzeug ausgepackt wurde. Bei größeren Aufträgen im mehrere Tausend Euro Bereich relativiert sich das schnell, bei kleineren Reparaturen oder Wartungsarbeiten kann die Gebühr einen spürbaren Teil der Marge auffressen.

Ein Wirtschaftswoche-Bericht aus dem Jahr 2022 zitierte Handwerksbetriebe, die das Modell offen kritisierten, weil es aus ihrer Sicht vor allem dem Portal nützt und das unternehmerische Risiko einseitig auf die Betriebe verlagert. Zugleich zeigte derselbe Bericht, dass MyHammer zu diesem Zeitpunkt über 90.000 registrierte Betriebe zählte und im Jahr zuvor rund eine Million Aufträge auf der Plattform ausgeschrieben wurden. Das Modell wird also trotz der Kritik von vielen Betrieben genutzt, gerade weil es kurzfristig zusätzliche Anfragen bringt, ohne dass vorher eine eigene Marketingstruktur aufgebaut werden muss.

Warum der Preisdruck auf Portalen strukturell entsteht

Auf einem Vergleichsportal sieht der Auftraggeber in der Regel mehrere Angebote nebeneinander, oft von drei bis fünf Betrieben für dieselbe Anfrage. Das erzeugt einen Wettbewerb, bei dem der Preis meist die auffälligste Vergleichsgröße bleibt, während Referenzen, Terminverfügbarkeit oder persönliches Vertrauen erst im zweiten Schritt zählen. Wer regelmäßig über ein Portal Aufträge gewinnen will, gerät dadurch leicht in eine Preisspirale nach unten, besonders bei standardisierbaren Leistungen wie kleineren Reparaturen, bei denen sich Angebote inhaltlich kaum unterscheiden.

Eine eigene Website kehrt diese Logik um. Ein Interessent, der über Google auf die Seite eines einzelnen Betriebs kommt, vergleicht in diesem Moment nicht aktiv mehrere Anbieter nebeneinander, sondern prüft, ob dieser eine Betrieb zur eigenen Anfrage passt. Referenzprojekte, das Team, die Spezialisierung und die Erreichbarkeit wiegen dort stärker als der reine Preis. Wie Handwerksbetriebe solche Referenzen überzeugend zeigen, behandelt der Artikel Referenzprojekte auf der Handwerker-Website ausführlicher.

Wo Vergleichsportale trotzdem einen Platz haben

Die Kritik am Gebührenmodell bedeutet nicht, dass Portale für jeden Betrieb sinnlos sind. Sinnvoll bleiben sie in bestimmten Situationen:

  1. In Phasen mit freien Kapazitäten, wenn zusätzliche Aufträge kurzfristig wichtiger sind als die Marge pro Auftrag.
  2. Für neue Betriebe ohne bestehenden Kundenstamm, die parallel zum Aufbau der eigenen Sichtbarkeit erste Referenzen sammeln wollen.
  3. Bei größeren Einzelprojekten, bei denen sich eine Kontaktgebühr im Verhältnis zum Auftragswert kaum bemerkbar macht.
  4. Als zusätzlicher Kanal neben der eigenen Website, nicht als deren Ersatz.

In allen vier Fällen bleibt die Kontaktgebühr ein laufender Kostenpunkt, der mit jedem Auftrag erneut anfällt. Genau das unterscheidet Portale grundsätzlich von einer eigenen Website, deren Kosten mit steigender Anfragezahl nicht mitwachsen.

Eigene Website und Vergleichsportal im direkten Vergleich

KriteriumVergleichsportal (z. B. MyHammer)Eigene Website
Kosten pro AnfrageGebühr pro bestätigtem Kontakt, auch ohne AuftragKeine Zusatzkosten pro Anfrage
WettbewerbssituationMehrere Angebote gleichzeitig sichtbarInteressent prüft primär den einen Betrieb
KundenbindungKontakt läuft über die PlattformDirekter Kontakt, eigene Kundendaten
AbhängigkeitVon Ranking und Regeln des PortalsBetrieb bestimmt Inhalte und Darstellung selbst
Langfristiger AufbauSichtbarkeit bleibt an das Portal gebundenGoogle-Rankings und Inhalte bleiben dauerhaft beim Betrieb

Der realistische Mittelweg für die meisten Betriebe

Für die meisten Handwerksbetriebe ist die Frage nicht MyHammer oder eigene Website, sondern in welcher Reihenfolge beides aufgebaut wird. Eine eigene Website mit den wichtigsten Leistungsseiten, echten Projektfotos und einem funktionierenden Kontaktweg ist die Grundlage, die unabhängig von Portalgebühren dauerhaft Anfragen bringt, sobald sie bei Google gefunden wird. Was der Aufbau je nach Modell kostet, vom Baukasten bis zur Agentur, ordnet die Seite Was kostet eine Website mit konkreten Marktspannen ein. Ein Vergleichsportal kann parallel dazu kurzfristig zusätzliche Aufträge liefern, besonders in der Anfangsphase oder bei freien Kapazitäten. Der bereits erwähnte Wirtschaftswoche-Bericht bestätigt dieses Muster indirekt: In der zitierten Befragung unter den Portal-Betrieben gaben 80 Prozent an, zusätzlich eine eigene Homepage zu betreiben. Selbst Betriebe, die aktiv auf Vergleichsportalen unterwegs sind, verlassen sich also mehrheitlich nicht allein darauf.

Wer noch keine eigene Website hat und aktuell überlegt, ob sich der Aufbau überhaupt lohnt, findet eine Einordnung der realistischen Kosten im Artikel Was kostet eine Website für Handwerker. Mr.Site betreut mehrere hundert Unternehmens-Websites im Handwerk und Gewerbe und richtet dabei die Grundlage so ein, dass Anfragen direkt und ohne laufende Portalgebühr beim Betrieb ankommen. Welche Bausteine eine Website für Handwerker dafür mitbringt, zeigt die Branchenseite, das Modell dahinter erklärt die Seite zum Abo-Modell.