Für die Sprachsuche gibt es keine eigene Optimierung neben der normalen lokalen Suchmaschinenoptimierung. Sprachassistenten wie Google Assistant, der neue Gemini-Assistent, Siri oder Alexa beantworten lokale Anfragen aus denselben Quellen wie die Google-Suche selbst, allen voran aus dem Google Unternehmensprofil und den strukturierten Daten auf der Website. Wer diese beiden Grundlagen sauber pflegt, ist für Sprachanfragen bereits gut aufgestellt, ohne dafür einen zusätzlichen Kanal aufzubauen.

Wie oft Kunden tatsächlich per Sprache suchen

Verlässliche Zahlen zur Sprachassistenten-Nutzung in Deutschland gibt es, allerdings mit schwankenden Werten je nach Studie und Definition. Die MUUUH! Voice Studie 2026 kommt auf 54 Prozent der Deutschen, die mindestens eine Form von Sprachassistenz im Alltag nutzen, aufgeteilt auf Smartphone oder Smartwatch, Smart Speaker, das Auto und fest eingebaute Geräte. Eine Bitkom-Erhebung aus dem Jahr 2023 fand mit 57 Prozent eine ähnliche Größenordnung bei Internetnutzern, bei den 16- bis 29-Jährigen lag der Wert sogar bei 74 Prozent.

Was in beiden Studien fehlt: eine belastbare, öffentlich zugängliche Auswertung, wie oft speziell nach Handwerksbetrieben oder Dienstleistern per Sprache gesucht wird. Die grobe Größenordnung von gut der Hälfte aller Nutzer, die Sprachassistenten überhaupt einsetzen, lässt sich seriös nur als Hinweis lesen, nicht als eigener, separat zu bearbeitender Suchkanal für Handwerker. Am ehesten lassen sich zwei Nutzungsmuster plausibel auf das Handwerk übertragen: die Suche unterwegs im Auto nach einem Betrieb in der Nähe und die dringliche Suche zu Hause, wenn beide Hände gerade mit einem Wasserschaden oder einem Stromausfall beschäftigt sind. Für beide Situationen gilt dieselbe Logik wie für die normale mobile Suche, nur dass die Anfrage gesprochen statt getippt wird.

Ein Beispiel aus der Praxis

Ein Heizungsbauer mit vollständigem Google Unternehmensprofil, korrekt hinterlegten Öffnungszeiten und einer Notdienstseite mit klickbarer Telefonnummer taucht bei einer gesprochenen Anfrage wie „Heizungsnotdienst in der Nähe” in derselben Auswahl auf, die auch ohne Sprachassistent in der lokalen Suche erscheint. Fehlt dagegen die Servicegebiets-Angabe im Profil oder weicht die auf der Website hinterlegte Telefonnummer von der im Profil ab, kann der Assistent den Betrieb entweder gar nicht vorschlagen oder eine veraltete Nummer vorlesen. Der Unterschied liegt also nicht in einer fehlenden Sprachsuche-Optimierung, sondern in denselben Datenlücken, die auch die normale lokale Suche schwächen.

Der Wechsel von Google Assistant zu Gemini ändert die Ausgangslage nicht grundlegend

Seit dem 4. September 2026 ersetzt Google den Google Assistant schrittweise durch Gemini, zunächst auf Android-Smartphones, Tablets, Wear-OS-Geräten, Kopfhörern und in Android Auto. Die Umstellung läuft über mehrere Wochen und betrifft anfangs nicht die smarten Lautsprecher im Haushalt, dort bleibt der bisherige Assistant vorerst aktiv. Geräte, die Gemini technisch nicht unterstützen, laufen laut Google übergangsweise weiter mit dem bisherigen Assistant.

Für einen Handwerksbetrieb ändert dieser Wechsel wenig an der praktischen Arbeit: Gemini beantwortet lokale Fragen weiterhin auf Basis des Google Unternehmensprofils und der eigenen Website, nicht auf Basis eines neuen, separaten Datensatzes. Die Umstellung ist ein Anlass, das eigene Profil einmal zu prüfen, keine Grundlage für neue technische Maßnahmen. Wer schon vorher auf ein vollständiges Profil und konsistente Firmendaten geachtet hat, muss wegen Gemini nichts zusätzlich unternehmen.

Woher die Antwort tatsächlich kommt

Wenn jemand unterwegs fragt, wer in der Nähe eine Heizung repariert oder wann ein Betrieb geöffnet hat, zieht der Assistent dieselben Daten heran, die auch im normalen Local Pack der Google-Suche erscheinen: Name, Adresse, Telefonnummer, Öffnungszeiten und Kategorie aus dem Google Unternehmensprofil, ergänzt um strukturierte Daten von der eigenen Website, etwa das LocalBusiness-Schema mit Adresse, Servicegebiet und Öffnungszeiten im maschinenlesbaren Format. Uneinheitliche Firmendaten zwischen Profil, Website und Branchenverzeichnissen wirken sich hier genauso negativ aus wie bei der normalen lokalen Suche, wie der Artikel zu den lokalen SEO-Hebeln im Detail beschreibt. Ein eigener, gesonderter Optimierungspfad für Sprachanfragen existiert daneben nicht, das strukturierte LocalBusiness-Markup gehört ohnehin zu den Grundlagen jeder gepflegten Handwerker-Website.

Warum Speakable-Schema für deutsche Betriebe aktuell nichts bringt

Speakable ist ein Schema.org-Attribut, das Google zeigen soll, welche Textabschnitte sich für die Vorlesefunktion des Assistenten eignen. Wer nach einer Sprachsuche-Checkliste sucht, stößt schnell darauf. Für einen deutschen Handwerksbetrieb lohnt sich der Aufwand jedoch nicht: Google beschränkt die Funktion laut eigener Dokumentation ausdrücklich auf Nutzer in den USA mit englisch eingestellten Google-Home-Geräten sowie auf englischsprachige Publisher, und selbst dort ist sie ausschließlich für Nachrichteninhalte vorgesehen, die der Assistent auf Zuruf als aktuelle Meldung vorliest. Eine normale Leistungsseite oder ein Magazinartikel fällt gar nicht in den vorgesehenen Anwendungsbereich, unabhängig von der Sprache. Die Funktion läuft außerdem seit Jahren im Beta-Status, ohne dass Google eine Ausweitung auf weitere Länder oder Inhaltstypen angekündigt hat.

FAQ-Inhalte bleiben der eigentliche Hebel, auch ohne Rich-Result

Google hat FAQ Rich Results am 7. Mai 2026 aus der Suche entfernt, wie der Artikel zu den strukturierten Daten genauer beschreibt. Das betrifft nur die optische Darstellung mit aufklappbaren Fragen im Suchergebnis, nicht den Nutzen von Frage-Antwort-Abschnitten selbst. Sprachassistenten und KI-Antwortmaschinen lesen weiterhin den sichtbaren Seiteninhalt aus, unabhängig davon, ob dafür ein Rich Snippet erscheint. Ein FAQ-Abschnitt, der echte Kundenfragen in klarer, kurzer Sprache beantwortet, bleibt deshalb eine der wenigen Maßnahmen, die sowohl der klassischen Suche als auch Sprachanfragen direkt zugutekommt.

Der Unterschied zeigt sich am Formulierungsstil. Eine Frage wie „Anfahrtskosten” als einzelnes Stichwort liefert einem Assistenten keinen vorlesbaren Satz. Eine vollständige Frage-Antwort-Kombination wie „Berechnen Sie Anfahrtskosten? Innerhalb des Einzugsgebiets von 20 Kilometern berechnen wir keine gesonderte Anfahrtspauschale” lässt sich dagegen direkt vorlesen und beantwortet gleichzeitig eine reale Kundenfrage in der normalen Suche. Wer FAQ-Inhalte ohnehin für Menschen schreibt, die auf der Website nach einer konkreten Antwort suchen, erfüllt diese Anforderung meist automatisch.

Was für Sprachsuche wirklich wirkt, und was nicht

MaßnahmeEffekt für SprachsucheAufwand
Vollständiges, korrektes Google UnternehmensprofilHochGering
Konsistente Firmendaten über Website, Profil und VerzeichnisseHochMittel
FAQ-Abschnitte in natürlicher Frage-Antwort-FormMittelGering
Klickbare TelefonnummerHoch, häufigste Handlung nach einer lokalen SprachsucheGering
Speakable-Schema einbauenKein Effekt für eine deutschsprachige BetriebswebsiteHoch
Separate “Voice-SEO”-Beratung beauftragenMeist kein Zusatznutzen gegenüber normaler lokaler SEOHoch

Eine klickbare Telefonnummer verdient dabei besondere Aufmerksamkeit, weil ein Anruf nach einer gesprochenen Suchanfrage oft die naheliegendste nächste Handlung ist. Wie sich das technisch sauber und DSGVO-konform einrichten lässt, beschreibt der Artikel zur klickbaren Telefonnummer. Die untere Tabellenzeile ist bewusst kein Extremfall: Wer bereits von einer Agentur oder einem Freelancer für „Voice Search Optimierung” angesprochen wurde, sollte zuerst nachfragen, welche der oben genannten Grundlagen dabei tatsächlich bearbeitet werden, statt für ein neues Etikett auf altbekannten Maßnahmen zu bezahlen.

Praxis-Checkliste

  1. Google Unternehmensprofil auf Vollständigkeit prüfen: Kategorie, Öffnungszeiten, Servicegebiet, Telefonnummer.
  2. Firmendaten zwischen Website, Profil und wichtigen Verzeichnissen abgleichen, keine abweichenden Schreibweisen oder alten Telefonnummern.
  3. Einen FAQ-Abschnitt mit echten Kundenfragen in ganzen, natürlich formulierten Sätzen ergänzen, nicht nur Stichworte.
  4. Telefonnummer auf allen Geräten klickbar hinterlegen, besonders auf der Startseite und der Notdienstseite.
  5. Kein gesondertes Budget für Speakable-Schema oder eine spezialisierte Voice-SEO-Agentur einplanen, solange die Grundlagen oben nicht sauber stehen.

Nächster Schritt

Sprachsuche ist damit weniger ein neues Projekt als ein zusätzlicher Prüfpunkt für ohnehin bestehende Aufgaben: Unternehmensprofil, strukturierte Daten und ein gepflegter FAQ-Bereich. Mr.Site betreut mehrere hundert Unternehmens-Websites und hält Profil, Firmendaten und Kontaktwege im Rahmen der Website-Betreuung laufend aktuell, statt sie einmalig beim Launch einzurichten und danach aus den Augen zu verlieren.