Eine gesetzliche Pflicht, Preise auf der Website zu zeigen, gibt es für Handwerksbetriebe nicht. Die Entscheidung ist also unternehmerisch, nicht juristisch, und sie lohnt sich für die meisten Betriebe trotzdem: Grobe Preisspannen sortieren unpassende Anfragen vor, sparen Zeit am Telefon und zeigen Kunden, dass hier jemand nichts zu verstecken hat. Wer stattdessen ganz auf “Preis auf Anfrage” setzt, verliert einen Teil der Besucher schon, bevor das erste Gespräch überhaupt zustande kommt.

Was das Gesetz tatsächlich vorschreibt

Die Preisangabenverordnung (PAngV) regelt, wie Preise anzugeben sind, wenn ein Unternehmer gegenüber Verbrauchern damit wirbt. Sie gilt aber ausdrücklich nur im Verhältnis zu Verbrauchern nach § 13 BGB, reine Geschäfte zwischen Unternehmen fallen nicht darunter. Für den typischen Handwerksbetrieb heißt das: Eine allgemeine Pflicht, überhaupt Preise zu nennen, besteht nicht. Sobald aber tatsächlich mit einem Preis geworben wird und die Leistung an Privatkunden geht, muss die Angabe stimmen und darf nicht irreführend sein. Die Verordnung unterscheidet also zwischen dem “Ob” und dem “Wie”: Ob ein Betrieb überhaupt Preise nennt, bleibt seine Entscheidung, wie er es tut, sobald er es tut, ist geregelt.

Ein Mischbetrieb, der Privat- und Gewerbekunden bedient, kann sich der PAngV nicht einfach durch die Behauptung entziehen, man arbeite “nur B2B”, eine echte Zugangsbeschränkung wäre dafür nötig, etwa ein Login-Bereich, der Privatkunden ausschließt. Für die allermeisten Handwerksbetriebe, die offen auf ihrer Website für Privatkunden werben, greift die Verordnung also, sobald eine Zahl auf der Seite steht. Das betrifft nur die Formulierung, nicht die grundsätzliche Entscheidung für Preisangaben: ein klar gekennzeichneter Richtwert statt ein scheinbar festes Angebot. Wer unsicher ist, ob eine bestimmte Formulierung rechtlich sauber ist, klärt das im Zweifel mit der zuständigen Handwerkskammer oder einem Fachanwalt, dieser Artikel ersetzt keine Rechtsberatung.

Warum Kunden trotzdem danach suchen

Unabhängig von der rechtlichen Lage bleibt der Preis für die meisten Website-Besucher die zentrale Frage. Nutzertests zu B2B-Websites zeigen seit Jahren denselben Effekt: Fehlt eine Preisangabe, verlassen Besucher die Seite frustriert und wechseln zur Konkurrenz, statt eine Anfrage zu stellen. Das gilt für Softwareanbieter genauso wie für einen Malerbetrieb, der eine Fassade streichen soll. Wer keine Zahl nennt, verlangt vom Kunden einen zusätzlichen Schritt, nämlich anzurufen oder ein Formular auszufüllen, nur um überhaupt eine grobe Größenordnung zu erfahren. Ein Teil der Besucher geht diesen Schritt nicht, sondern sucht weiter, bis eine andere Seite die Frage direkt beantwortet.

Drei Wege, Preise zu zeigen, ohne sich festzulegen

Ein starrer Festpreis ist bei individuellen Handwerksleistungen fast nie sinnvoll, zu unterschiedlich sind Aufwand, Material und Zustand vor Ort. Zwischen “gar keine Zahl” und “verbindlicher Festpreis” liegen aber mehrere praktikable Wege.

FormatBeispielWann sinnvoll
Stundensatz”Servicetechniker ab 75 Euro netto pro Stunde, zzgl. Anfahrt”Reparaturen, Wartung, kleinere Einsätze
Preisspanne nach Aufwand”Badsanierung: einfache Ausstattung ab 8.000 Euro, gehobene Ausstattung ab 18.000 Euro”Größere Projekte mit klaren Ausstattungsstufen
Beispielrechnung”Typisches Elektro-Update Einfamilienhaus: 3.500 bis 6.000 Euro, je nach Zustand der Bestandsleitungen”Leistungen, bei denen der Ausgangszustand stark streut

Alle drei Formate haben gemeinsam, dass sie als Richtwert gekennzeichnet sind, nicht als bindendes Angebot. Ein Zusatz wie “unverbindlich, finaler Preis nach kurzer Vor-Ort-Prüfung” nimmt den Druck heraus und schützt gleichzeitig vor Streit über eine vermeintliche Zusage.

Preisseite ist kein Angebot

Eine Preisspanne auf der Website ersetzt kein individuelles Angebot, sie führt im besten Fall dorthin. Der Unterschied sollte auf der Seite selbst sichtbar bleiben: Die Preisspanne beantwortet die Frage “In welcher Größenordnung bewege ich mich ungefähr”, das eigentliche Angebot beantwortet “Was kostet genau mein Projekt” und entsteht erst nach Besichtigung oder einem ausführlichen Telefonat. Ein einfacher Satz am Ende der Preisübersicht macht das deutlich, etwa “Für ein verbindliches Angebot vereinbaren wir einen kurzen Vor-Ort-Termin”, direkt verbunden mit einem Kontaktformular oder einer Telefonnummer. So bleibt die Preisseite ein Einstieg in das Gespräch, nicht dessen Ersatz, und der Betrieb behält die Möglichkeit, den tatsächlichen Aufwand erst nach Prüfung der konkreten Situation festzulegen.

Was gegen Preistransparenz spricht

Die Gegenargumente sind real und sollten nicht kleingeredet werden. Wettbewerber sehen die eigenen Preise genauso gut wie Kunden und können gezielt unterbieten. Bei stark schwankenden Materialkosten, etwa bei Metall oder bestimmten Dämmstoffen, veraltet eine genannte Zahl schneller, als mancher Betrieb die Website pflegt, was dann selbst als Richtwert missverständlich wirkt. Und in Regionen mit sehr unterschiedlicher Kaufkraft kann eine einzige bundesweite Spanne an einem Standort abschreckend, am anderen unrealistisch niedrig wirken. Betriebe, die stark auf individuelle Beratung und Vertrauen vor Ort setzen, etwa im hochpreisigen Innenausbau, fahren mit einem persönlichen Erstgespräch teils besser als mit einer Zahl auf der Startseite.

So filtern Preisspannen unpassende Anfragen vor

Der praktische Nutzen zeigt sich am Telefon, nicht auf der Website. Ein Betrieb, der bei 100 Anfragen im Monat 30 davon mit einem Kunden verbringt, der eigentlich ein anderes Budget im Kopf hatte, verliert dort Zeit, die für echte Aufträge fehlt. Eine sichtbare Preisspanne wirkt wie ein erster Filter: Wer eine Küchensanierung für 4.000 Euro sucht und auf der Seite “ab 15.000 Euro” liest, ruft in den meisten Fällen gar nicht erst an, und das ist für beide Seiten die bessere Lösung als ein zwanzigminütiges Gespräch, das ohnehin zu keinem Auftrag führt. Diese Vorsortierung lässt sich mit einer kurzen Checkliste umsetzen:

  1. Für jede Hauptleistung eine grobe Preisspanne oder einen Stundensatz festlegen, nicht für jede Variante einzeln.
  2. Die Spanne so weit fassen, dass sie über mehrere Monate stabil bleibt, nicht wöchentlich nachjustiert werden muss.
  3. Immer mit einem Richtwert-Hinweis kombinieren, nie als Festangebot ohne Vorbehalt formulieren.
  4. Bei stark schwankenden Materialkosten lieber auf Stundensatz plus Materialaufwand verweisen als auf eine Gesamtsumme.
  5. Die Zahl jährlich prüfen und bei größeren Kostensprüngen zeitnah anpassen.

Ein Beispiel aus dem SHK-Alltag

Ein Sanitärbetrieb, der bislang nur “Preise auf Anfrage” auf der Website stehen hatte, ergänzt eine kurze Übersicht: Servicetechniker-Stunde ab 85 Euro netto zzgl. Anfahrt, Badsanierung Komplettpaket ab 12.000 Euro je nach Grundriss und Ausstattung, Heizungstausch inklusive Einbau ab 9.000 Euro. Innerhalb weniger Wochen verändert sich das Muster der eingehenden Anfragen spürbar: weniger reine Preisvergleiche, mehr konkrete Terminanfragen von Kunden, die die Größenordnung bereits akzeptiert haben, bevor sie überhaupt anrufen. Die Zahl der Anfragen sinkt dabei leicht, die Quote der Anfragen, die zu einem Auftrag werden, steigt.

Der Betrieb ergänzt die Preisübersicht zusätzlich um eine kurze FAQ-Sektion, in der die häufigsten Rückfragen aus dem alten Anfrageaufkommen direkt beantwortet werden, etwa ob die Anfahrt im Stundensatz enthalten ist oder ob es einen Aufschlag für Wochenendtermine gibt. Diese Fragen tauchten vorher regelmäßig als erste Rückfrage am Telefon auf, jetzt stehen sie bereits auf der Seite, und das erste Telefonat beginnt direkt bei der Terminfindung statt bei der Preisklärung. Für den Innendienst bedeutet das im Schnitt kürzere Anrufe, für den Kunden eine Website, die auf die eigentliche Frage schon vor dem Klingeln antwortet.

Wer eine neue Website plant oder die bestehende überarbeitet, entscheidet die Preisfrage am besten gleich mit, nicht erst nach dem Launch als nachträgliche Ergänzung. Im Artikel Was auf eine Handwerker-Website gehört steht die Preisseite im Kontext der übrigen Pflichtinhalte, und wer zuerst wissen will, was eine eigene Website selbst kostet, findet die Zahlen dazu unter Website-Kosten im Handwerk, die Marktspannen aller Modelle im Überblick stehen auf Was kostet eine Website. Im Mr.Site Website-Abo ist eine Preisseite mit Richtwerten Teil des Standardaufbaus, Details dazu unter Website erstellen lassen.