Eine eigene Seite für jede Stadt im Einzugsgebiet kann einem Handwerksbetrieb bei lokalen Suchanfragen wie “Elektriker Augsburg” zusätzliche Sichtbarkeit bringen, wenn die Seite echten, ortsbezogenen Inhalt liefert. Werden dafür nur Vorlagen mit ausgetauschtem Städtenamen vervielfältigt, stuft Google das als sogenannte Doorway Page ein und entfernt die Seiten im schlimmsten Fall aus dem Index. Der Unterschied liegt nicht in der Anzahl der Seiten, sondern darin, ob jede Seite für sich einen eigenständigen Nutzen hat.
Wann eine eigene Standortseite überhaupt Sinn ergibt
Eine zweite Werkstatt oder ein zweiter Firmensitz in einer Nachbarstadt ist der klarste Fall für eine eigene Seite, weil sich dort eigene Öffnungszeiten, eine eigene Adresse und ein eigenes Team hinterlegen lassen. Etwas seltener, aber genauso gültig ist der Fall des reinen Servicegebiets: Ein Betrieb ohne zweiten Standort, der aber in drei oder vier Nachbarorten regelmäßig auf Baustellen unterwegs ist, kann für die Orte mit dem größten eigenen Suchvolumen jeweils eine Seite anlegen, solange dort tatsächlich laufend Aufträge abgewickelt werden. Für einen Ort, in dem der Betrieb im letzten Jahr zweimal war, reicht dagegen höchstens eine Erwähnung in der Liste des Einzugsgebiets auf der Hauptseite. Der Nachbarartikel zu lokalem SEO für Handwerksbetriebe beschreibt den Fall einer zweiten Werkstatt, bei dem genau diese Kombination aus eigener Standortseite und eigenem Google-Profil innerhalb weniger Wochen zu einer besseren Local-Pack-Platzierung führte.
Ein zweites Beispiel zeigt die Grenze in die andere Richtung: Ein Dachdeckerbetrieb in einer ländlichen Region, der Aufträge in einem Umkreis von 40 Kilometern über acht kleinere Orte verteilt annimmt, hat für keinen einzelnen dieser Orte genug eigenständige Substanz für eine Seite. Hier ist eine einzige gut gepflegte Einzugsgebiets-Seite mit Liste der Orte und ein bis zwei größeren Referenzprojekten sinnvoller als acht dünne Einzelseiten, die alle um dasselbe kleine Suchvolumen konkurrieren würden.
Die Doorway-Page-Grenze, die Google zieht
Googles Spam-Richtlinien fassen das Muster unter “Doorway abuse” zusammen: Seiten oder Websites, die für spezifische, sehr ähnliche Suchanfragen erstellt werden und Nutzer zu Zwischenseiten führen, die weniger nützlich sind als das eigentliche Ziel. Als Verstoß gelten laut der aktuellen Dokumentation unter anderem mehrere Domains oder Seiten, die auf bestimmte Regionen zielen, aber alle zum selben Ziel durchreichen, sowie eine Serie fast identischer Seiten, die näher an den Suchergebnissen positioniert sind als eine klar durchsuchbare Struktur der eigentlichen Website. Praktisch heißt das für eine Handwerker-Website: Zehn Seiten mit demselben Text und nur ausgetauschtem Stadtnamen, die alle auf dasselbe generische Kontaktformular verweisen, sind genau das Muster, das Google als Spam wertet, unabhängig davon, ob die Absicht dahinter böswillig war oder nur aus Zeitmangel entstanden ist.
Was eine Standortseite von einer Doorway Page unterscheidet
| Merkmal | Legitime Standortseite | Doorway Page |
|---|---|---|
| Bezug zum Ort | Echte, regelmäßige Aufträge oder eigener Standort dort | Kein realer Bezug, nur Namensvariable |
| Inhalt | Eigene Projektbeispiele, Ansprechpartner, lokale Besonderheiten | Vorlage mit ausgetauschtem Ortsnamen |
| Navigation | Über Menü oder Einzugsgebiet-Seite normal erreichbar | Oft nur über Sitemap auffindbar, nicht verlinkt |
| Ziel der Seite | Beantwortet die Anfrage direkt vor Ort | Leitet zu einer generischen Kontaktseite weiter |
Die entscheidende Praxisfrage vor jeder neuen Standortseite lautet deshalb: Was kann ein Kunde aus diesem Ort auf dieser Seite lesen, das er auf keiner anderen Seite der Website findet. Fällt die Antwort auf “eigentlich nichts, nur der Städtename ist anders”, gehört der Ort in die allgemeine Einzugsgebiets-Liste statt auf eine eigene URL.
Was auf eine gute Standortseite gehört
Eine Standortseite mit echtem Mehrwert braucht mehr als einen ausgetauschten Ortsnamen im Titel. Sechs Elemente machen den Unterschied:
- Ein bis zwei abgeschlossene Projekte aus genau diesem Ort, mit kurzer Beschreibung statt nur einem Foto.
- Eine konkrete Angabe zur Anfahrt oder zum Einsatzradius, etwa übliche Reaktionszeit für einen Notdienst in diesem Ort.
- Ein direkter Ansprechpartner oder eine Telefonnummer, falls es einen zweiten Standort gibt.
- Besonderheiten des Orts, die für die Leistung relevant sind, etwa viele Altbauten für einen Elektrobetrieb oder ein bestimmter Bebauungstyp für einen Dachdecker.
- Bewertungen oder Referenzen, die erkennbar aus diesem Ort stammen, statt einer allgemeinen Bewertungsliste.
- Ein Link zur relevanten Leistungsseite und zurück zur Einzugsgebiets-Übersicht, damit die Seite Teil der normalen Navigation bleibt statt einer isolierten Insel.
Fehlen mehr als zwei dieser Punkte, ist die Seite noch nicht so weit, veröffentlicht zu werden, und sollte erst mit echtem Inhalt aus dem nächsten Auftrag in diesem Ort ergänzt werden. In der Praxis reicht es oft, den nächsten Auftrag in diesem Ort bewusst zu dokumentieren, ein paar Fotos zu machen und die Rückmeldung des Kunden festzuhalten, statt am Schreibtisch nach Füllstoff zu suchen.
Das Google-Unternehmensprofil als einfacherer erster Schritt
Bevor überhaupt neue Seiten entstehen, lohnt sich der Blick ins Google-Unternehmensprofil. Betriebe ohne Kundenverkehr vor Ort können dort bis zu 20 Servicegebiete hinterlegen, die insgesamt etwa im Umkreis von zwei Stunden Fahrzeit vom Betriebssitz liegen dürfen, die Betriebsadresse selbst lässt sich dabei ausblenden. Diese Servicegebiete decken die lokale Suche über das Profil ab, ganz ohne eigene Landingpage. Für die meisten kleinen Betrieben mit einem überschaubaren Einzugsgebiet reicht diese Einstellung zusammen mit einer einzelnen Übersicht auf der eigenen Website aus. Eigene Standortseiten lohnen sich erst dann zusätzlich, wenn einzelne Orte im Servicegebiet ein eigenes, spürbares Suchvolumen haben und der Betrieb genug Substanz für eine eigenständige Seite liefern kann. Wie das Zusammenspiel aus Profil und Website grundsätzlich funktioniert, beschreibt der Artikel zu Google-Unternehmensprofil und eigener Website.
URL-Struktur und Pflegeaufwand nicht unterschätzen
Standortseiten gehören technisch als Unterseiten unter eine gemeinsame Einzugsgebiets-Struktur, etwa als /einzugsgebiet/musterstadt/ statt als eigenständige, lose verknüpfte URLs irgendwo im Website-Baum. Diese Struktur signalisiert Google von selbst, dass die Seiten zusammengehören und Teil einer echten Navigation sind, nicht einzeln gestreute Landingpages. Wichtig ist außerdem, dass jede neue Standortseite nicht nur beim Anlegen, sondern auch danach gepflegt wird: Ändert sich die Reaktionszeit für den Notdienst in einem Ort, zieht ein Ansprechpartner um oder kommt ein neues Referenzprojekt dazu, muss die jeweilige Seite mit aktualisiert werden. Eine Standortseite, die seit zwei Jahren denselben Stand zeigt, verliert mit der Zeit denselben Vertrauensvorschuss wie jede andere vernachlässigte Unterseite, wie der Artikel zu Website-Wartung und ihren Risiken am Beispiel veralteter Inhalte beschreibt. Wer für fünf oder sechs Orte eigene Seiten plant, sollte deshalb realistisch einschätzen, ob im Betrieb auch die Zeit für die laufende Pflege aller Seiten vorhanden ist, nicht nur für die einmalige Erstellung.
Praktisches Vorgehen für den Einstieg
- Alle Orte aus den letzten zwölf Monaten mit tatsächlich abgeschlossenen Aufträgen auflisten, nicht nur die Wunschliste.
- Die zwei bis drei Orte mit dem höchsten eigenen Suchvolumen identifizieren, etwa über den Google-Ads-Keyword-Planer oder die Google Search Console nach einigen Monaten Laufzeit.
- Für diese Orte jeweils prüfen, ob genug echter Inhalt vorhanden ist (Projekte, Ansprechpartner, Besonderheiten). Fehlt er, erst beim nächsten Auftrag in diesem Ort sammeln.
- Für alle übrigen Orte im Einzugsgebiet reicht eine gemeinsame Aufzählung auf der Hauptseite oder einer einzigen Einzugsgebiets-Seite.
- Neue Standortseiten über das Menü oder die Einzugsgebiets-Seite verlinken, nie nur über die Sitemap.
Wer unsicher ist, ob eine geplante Standortseite eher Mehrwert oder eher Vorlage ist, kann die Frage aus dem Abschnitt zur Doorway-Grenze als Prüfstein nehmen. Mr.Site legt neue Standortseiten für Kunden im Rahmen des Website-Erstellen-lassen-Projekts nur dort an, wo genug eigener Inhalt für den jeweiligen Ort vorliegt, statt automatisch eine Vorlage für jede Postleitzahl im Umkreis zu erzeugen. Geht es dir um eine einzelne Verkaufsseite für eine Anzeigen-Kampagne statt um Standortseiten, kannst du eine Landingpage erstellen lassen, die genau auf ein Angebot zugeschnitten ist.